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Teppich von Bayeux

Teppich von Bayeux

Der zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählende Teppich von Bayeux stellt ein einzigartiges historisches Bilddokument aus dem 11. Jahrhundert dar. Der knapp 69 Meter lange Wandteppich besteht aus 58 Einzelszenen, die sich auf neun fein aneinandergenähte und unterschiedlich lange Leinenstücke verteilen. Die zwischen 48 und 53 cm breiten Tuchteile wurden mit mehrfarbigem Wollgarn bestickt. Sie zeigen Einzelszenen, die im Zusammenhang mit dem berühmten Feldzug des normannischen Herzogs Wilhelm des Eroberers (Guillaume le Conquérant) stehen. Dem Normannen-Herzog war es 1066 gelungen, England zu erobern. Damit war der auch als „William the Conqueror“ in die Geschichtsbücher eingegangene und England bis zu seinem Tod 1087 regierende Normanne der letzte Feldherr, der von europäischen Festland aus in Großbritannien erfolgreich einfallen konnte.

Der Teppich teilt sich formal in einen breiten, durch Text ergänzten Hauptfries mit den Bildszenen sowie zwei darüber und darunter liegenden schmalen Borten mit der Darstellung von Tieren, Pflanzen, Trennbalken und anderen Elementen auf. Die Bildszenen stellen die Vorgeschichte und den Ablauf der Eroberung Englands durch die Normannen dar. Dabei wird darauf abgestellt, dass der damalige englische König Harald Godwinson ein Thron-Usurpator gewesen war und das Eingreifen von Wilhelm der Eroberer deshalb rechtlich erforderlich geworden war. In den letzten Szenen des Teppichs fällt Harald und die Angelsachsen fliehen nach der Schlacht bei Hastings (14. 10. 1066). Ursprünglich folgten hier noch einige, heute verschollene Teppichteile. Die zahlreichen Details in den Darstellungen von Menschen, Kleidung, Waffen, Schiffe, Handwerkszeug oder Nutztieren sind überaus wertvolle Quellen für Historiker.

Teppich von Bayeux: Szene 1

Teppich von Bayeux: König Edward befiehlt Harald in die Normandie zu reisen

Herstellungsort- und Werkstatt des gewaltigen Bildwerks sowie der Auftraggeber sind nicht bekannt. Es wird aber davon ausgegangen, dass der Teppich um 1080 in England entstanden ist. Dabei tendiert die Forschung heute eher dahin, nicht wie es früher herrschende Meinung war, Wilhelms Frau Mathilde, sondern Wilhelms Bruder Odo von Bayeux als Auftraggeber zu vermuten. Ungeklärt ist auch, wie die genaue Aufbewahrungsgeschichte des Teppichs begann. Wahrscheinlich hing der Teppich bereits seit Ende des 11. Jahrhunderts in der Kathedrale der Normandie-Stadt Bayeux.

Während der Französischen Revolution entging das unersetzliche Kulturobjekt dort mehrmals der Zerstörung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Teppich von deutschen Besatzern eingelagert. Dem Abtransport nach Deutschland durch die SS verhinderten 1944 die Alliierten. 1945 kehrte das Kunstwerk, von dem seit 1895 im englischen Reading eine originalgetreue Kopie ausgestellt ist, nach Bayeux zurück.

Seit 1983 ist der Teppich im eigens für ihn erbauten Museumsbau Centre Guillaume le Conquérant (Musée de la Tapisserie de Bayeux, 13 bis rue de Nesmond, 1440 Bayeux) zu bewundern.

 

© „Teppich von Bayeux“ von Ulrich Harsh, [Public Domain] über Wikimedia Commons
© „Bayeux Tapestry scene1 Edward“ von Myrabella und ein weiterer Urheber – Eigenes Werk, [Public Domain] über Wikimedia Commons